Science Fiction
Science-Fiction ist ein breit gefächertes und unübersichtliches Genre - leider auch mit sehr viel Literatur zweifelhafter Qualität. Im Folgenden habe ich eine Liste meiner persönlichen SF-Favoriten zusammengestellt, die dem Sci-Fi Neuling eine Auswahl an großartigen Werken an die Hand gibt. Vom stilistischen Standpunkt vielleicht nicht Hochliteratur, dafür aber ausnahmelos inhaltlich visionär, eben "Literatur der Ideen".
- Andreas Eschbach: Die Haarteppichknüpfer: Eine Sammlung fesselnd erzählter Episoden, die kunstvoll zur vielschichtigen Geschichte des Sternenkaisers verwoben sind. Durch viele überraschende Wendungen wird die Spannung meisterhaft bis zum Schluss aufrecht erhalten. Dieser erste Roman von Eschbach ist meiner Ansicht ein perfekter (und sanfter) Einstieg in die faszinierende Welt der Science-Fiction. Und ein Beweis, dass auch aus Deutschland gute Science-Fiction kommt!
- George Orwell: 1984: Mein erster Science-Fiction Roman und immer noch einer meiner absoluten Favoriten. Ein Klassiker, der aktueller nicht sein könnte! (Aber das hat man auch schon vor 25 Jahren gesagt.)
- Frank Herbert: Der Wüstenplanet: Eines der besten (Arthur C. Clarke: "I know nothing comparable to it except 'The Lord of the Rings'.") und erfolgreichsten Science-Fiction Werke, bestehend aus mehreren Romanen. Mehr muss man zu diesem facettenreichen Epos nicht sagen... Außer vielleicht, dass es sich lohnt durchzuhalten, falls man am Anfang ein wenig länger brauchen sollte.
- Arthur C. Clarke: Die letzte Generation: Ein Meisterwerk, dessen brilliante Idee sich viele andere Romane als Vorlage genommen haben. Ohne zu viel zu verraten, geht es um die geistige Transformation der menschlichen Spezies. Faszinierend, besonders zum Ende des Buches hin!
- Philip K. Dick: Zeit aus den Fugen: Philipp K. Dick, bisweilen auch als der Kafka der Science-Fiction bezeichnet, ist unbestritten einer der genialsten Vertreter des Genres. Allerdings sind seine oft in Surreale abriftenden Romane nicht immer einfach zu verstehen. Ein meines Erachtens idealer Einstieg in sein Werk ist 'Zeit aus den Fugen'. Alternativ - oder besser gleich im Anschluss daran lesen: 'Träumen Androiden von elektrischen Schafen?'
- Philip K. Dick: Ubik: Wer Gefallen an 'Zeit aus den Fugen' gefunden hat, dem sei 'Ubik' empfohlen, eines seiner Hauptwerke. Wie so häufig bei PKD, geht es um das Verhältnis von objektiver und subjektiver Realität. Ein schwieriges Buch, das den Leser verwirrt zurücklassen dürfte...
- Robert A. Heinlein: Die Tür in den Sommer: Eine der schönsten Geschichten von Science-Fiction Großmeister Robert A. Heinlein. Ein Zeitreiseroman (eingefroren, aufgetaut und erwacht in einer fremden Welt), der doch so viel mehr ist als "nur" tolle Science-Fiction. Wer von PKD abgeschreckt wurde, findet mit diesem Buch sicher wieder den Zugang zum Genre. Auch gut für Jugendliche geeignet.
- Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge: Science-Fiction at its best, eine atemberaubende Space-Opera. Sprüht nur so vor Ideen; hieraus könnte man locker fünf Romane machen. Dieses Buch gehört zu meinen absoluten Favoriten.
- Ursula Le Guin: Planet der Habenichtse: Ein Planetensystem, zwei Gesellschaftsordnungen (kapitalistisch und anarchisch). Ein utopischer Roman, jedoch ganz anders als '1984'. Gewann wichtige Science-Fiction Auszeichnungen.
- Arkadi und Boris Strugazki: Picknick am Wegesrand: Eine verstörende, atmosphärisch dichte Mischung aus Science-Fiction und Philosophie, die viele Möglichkeiten zur Interpretation bietet. Ähnelt 'Solaris' von Stanislav Lem und macht somit Lust auf mehr osteuropäische Science-Fiction:
- Stanislav Lem: Solaris: Ein - wenn nicht sogar das - Meisterwerk der Science-Fiction. Der den Planeten Solaris umgebende Ozean, eine bizarre außerirdische Lebensform, beeinflusst die Psyche der Wissenschaftler, die ihn von einer Raumstation aus untersuchen. Diesen Roman sollte und wird man nicht nur einmal lesen.
- Sergej Lukianenko: Labyrinth der Spiegel: Nach Stanislav Lem nun etwas leichtere Kost aus Osteuropa bzw. Russland, aber nichtsdestotrotz grandios was den Ideenreichtum angeht. Nicht davon abschrecken lassen, dass die technischen Details dieses Cyberpunk Romans mittlerweile (15 Jahre nach dem Erscheinen) etwas veraltet wirken! Wird fortgesetzt in 'Der falsche Spiegel'.
- Edward Morgan Forster: Die Maschine steht still: In dieser Kurzgeschichte entwirft Forster eine prophetische Dystopie, die letztlich das Internet und die ständige Vernetzung vorwegnimmt. Trotz ihres Alters von mehr als 110 Jahren aktueller denn je.
- Kurd Laßwitz: Auf zwei Planeten: Ein Science-Fiction Klassiker aus dem Jahr 1897 - seiner Zeit weit voraus, heute zu unrecht in Vergessenheit geraten. Die Story (Martianer und Erdlinge treffen das erste Mal aufeinander; aus Angst vor den überlegenen Marsbewohnern beginnt die Menschheit einen Krieg) diente als Blaupause für unzählige SF-Romane. Kurd Laßwitz liefert zudem die Vorlage zu Mr. Spocks Handgruß, erfindet Flugschiffe und Weltraumbahnhöfe, und beschreibt auf Gravitationswellen basierende Maschinen.
- Marc-Uwe Kling: QualityLand: Ist das noch Science-Fiction oder bereits Realität? Solange Erstes noch gilt, ist es jedenfalls ein verdammt lustiger Roman aus heimischer Produktion. Es muss nicht immer Douglas Adams sein.
- Daniel Suarez: Deamon (Teil 1) / Darknet (Teil 2): Ein Science-Fiction Highlight, welches in Form eines Thrillers eine faszinierend Zukunftsvision entwirft, die in Teilen schon heute möglich wäre. Eine Geschichte über Computervirus-gesteuerten Terrorismus mit vielen überraschenden Wendungen.
- Andy Weir: Der Marsianer: Dieses Buch ist kein klassischer Sci-Fi Roman, erweitert aber das Genre auf beeindruckende Weise. Der Überlebenskampf eines Astronauten wird bis zur letzten Seite überaus spannend und realistisch erzählt, leider aber auch emotionslos. Eine moderne Robinsonade.
- Adrian Tchaikovsky: Die Kinder der Zeit: Anspruchsvolle, philosophische Science-Fiction, sehr spannend erzählt. Viele überraschende Wendungen, bis zum Schluss. Brilliant, wie Tchaikovsky die Hauptfiguren ganze Zeitalter überdauern lässt: Die Menschen nutzen Kälteschlaf zur Verlangsamung des Alterns, während die Spinnen, ihre Gegenspieler, ihre "Einsichten" an ihre Nachkommen vererben.
- Cixin Liu: Die wandernde Erde: Elf außergewöhnliche, fantasievolle Kurzgeschichten vom international gefeierten neuen Stern am SF-Himmel. Einzig Lius Schreibstil (eher flache Figuren, etwas hölzern) irritiert anfangs; wenn man sich daran gewöhnt hat, steht der überragenden Trisolaris-Trilogie (Die drei Sonnen, Der dunkle Wald, Jenseits der Zeit) nichts mehr im Weg.
- Andreas Eschbach: Der Herr aller Dinge: Eine sehr gelungene Verbindung aus Science-Fiction, Fantasy und Liebesgeschichte, die verschiedene philosophische Fragen aufwirft. Typisch Eschbach, sehr abwechslungsreich und nie vorhersehbar erzählt, doch mit leichten Schwächen in der Charakterdarstellung. Womit sich der Kreis zum ersten Buch in dieser Liste schließt.